Katholisches Leben in Meschede und Bestwig

„Caritas ist für mich Arbeit mit Sinn“

Dominik Hansmeier (39) und Marion Becker (54): der neue Vorstand des Caritasverbandes Meschede e.V.

Marion Becker und Dominik Hansmeier führen seit einem Jahr den Caritasverband Meschede. Sie wollen Nähe ermöglichen – für Klienten, Mitarbeitende und Ehrenamtliche. Im Interview sprechen sie über Fachkräftemangel, mentale Gesundheit und warum künstliche Intelligenz kein Widerspruch zur Nächstenliebe ist.

Frischer Wind im Haus der Caritas: Seit einem Jahr sind Marion Becker (54) und Dominik Hansmeier (39) der neue Vorstand des Caritasverbandes Meschede e.V., nachdem der bisherige Vorstand Peter Fuhrmanns den Verband aus persönlichen Gründen verlassen hatte. Zeit für ein Interview über die Übergangsphase, Zukunftspläne und welche Rolle künstliche Intelligenz und mentale Gesundheit spielen.

Der Neustart im Vorstand kam für viele überraschend. Wie haben Sie den Übergang gestaltet?

Marion Becker: Zunächst haben wir uns einen Überblick verschafft und die Aufgaben klar priorisiert. Ganz wichtig war uns auch, transparent zu arbeiten und unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu informieren und in dem Prozess mitzunehmen.

Was hat sich schon getan und wie sehen Ihre weiteren Pläne für den Caritasverband Meschede e.V. aus?

Dominik Hansmeier: Wir haben uns vorgenommen, den Verband trotz der großen Herausforderungen dieser Zeit zukunftssicher aufzustellen. In den vergangenen Jahren sind wir stark gewachsen mit Blick auf die Mitarbeitenden und unsere Klienten. Nun wollen wir unsere interne Organisation und Strukturen für einen reibungslosen Ablauf optimieren. Zum Beispiel haben wir die Hierarchien minimiert – das sorgt für effektivere Kommunikation und schnellere Entscheidungen.

Im Herbst haben wir ein Führungskräfteentwicklungsprogramm gestartet: In den vergangenen Jahren sind einige Leitungen unserer Einrichtungen in den Ruhestand gegangen – den neuen Führungskräften wollen wir nun weiteres Handwerkszeug vermitteln, um ihr jeweiliges Team noch besser zu leiten.

Marion Becker: Wir helfen Menschen, die Hilfe benötigen – das ist der caritative Grundgedanke hinter all unserer Arbeit. Dafür halten wir ein leistungsstarkes Portfolio in Meschede, Bestwig, Eslohe und Schmallenberg vor – von der Versorgung von Menschen mit Behinderung oder Pflegebedarf bis hin zu Betreuung und Beratung von Kindern und Familien.

Wir setzen uns als Vorstand mit aller Kraft dafür ein, dass das so bleibt und überprüfen auch den Bedarf an sozialen Angeboten, um dem Wandel der Gesellschaft Rechnung zu tragen. Dabei spielen nicht nur unsere hauptamtlichen Mitarbeitenden, sondern auch die ehrenamtlichen Mitarbeitenden eine wichtige Rolle: Wir haben den Kontakt zu den Caritas-Konferenzen verstärkt und bieten regelmäßig ein Ehrenamt-Café zum Austausch an. Das kommt gut an.

Was sind denn aktuell die größten Herausforderungen? Ist es wie fast überall der Fachkräftemangel?

Dominik Hansmeier: Der demografische Wandel macht leider auch vor uns nicht Halt. Wir wappnen uns, um unsere tollen Mitarbeitenden zu halten und neue Kräfte zu gewinnen. Deshalb haben wir bereits begonnen, uns als Arbeitgeber noch attraktiver aufzustellen – in unserer Führungskultur wird den Mitarbeitenden Wertschätzung entgegengebracht, wir gestalten die Arbeitszeit so individuell wie möglich, damit Familie und Beruf gut vereinbar sind, und bringen die technische Ausstattung auf den neuesten Stand.

Auch die Rahmenbedingungen haben wir optimiert: Wir fördern Fitness, Schwimmen oder Massagen und ermöglichen unseren Mitarbeitenden zusätzliche Gesundheitsangebote wie Wandern, Yoga oder Standup-Paddeling. In diesem Jahr bieten wir eine ganze Themenreihe zum Thema „Mentale Gesundheit“ an – vom Zeitmanagement bis hin zu einfachen Entspannungstechniken. Zu unseren Vorteilen gehört auch eine betriebliche Altersvorsorge. Zusätzlich arbeiten wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden an unserer Identität als Arbeitgeber, damit man sieht und merkt, dass wir ein authentischer, verlässlicher und moderner Partner im Berufsleben sind.

Marion Becker: Daneben kümmern wir uns auch um immer wichtiger werdende Themen wie Nachhaltigkeit, IT-Sicherheit, Digitalisierung oder auch künstliche Intelligenz. So schön viele technische Fortschritte sind, wir müssen den Einsatz genau festlegen und selbst lernen, damit umzugehen. Zum Beispiel müssen unsere Mitarbeitenden, die unsere Klienten mit Behinderung im Alltag unterstützen, natürlich selbst fit gemacht werden in digitalen Technologien, damit sie ihnen bei all diesen Fragen zur Seite stehen können.

Nutzen Sie aktuell bereits künstliche Intelligenz oder digitale Möglichkeiten im Arbeitsalltag?

Marion Becker: Für unsere Gäste in den Tagespflegen haben wir eine Virtual-Reality-Brille angeschafft – die meisten sind sehr begeistert, einmal einen virtuellen Ausflug in die Unterwasserwelt, in den Dschungel oder wie früher in die Berge zu erleben. Viele interne Prozesse wie Arbeitszeiterfassung oder Urlaubsanträge haben wir bereits digital umgestellt.

Dominik Hansmeier: Die Pflegekräfte in unserem Seniorenzentrum St. Elisabeth arbeiten zum Beispiel mit einer Spracherkennungs-App, um die Dokumentation zu vereinfachen. Nach anfänglicher Skepsis läuft das richtig gut und unsere Mitarbeitenden haben so mehr Zeit für die Bewohner.

Teamwork wird bei Ihnen im Verband, aber auch im Vorstand großgeschrieben. Wie treffen Sie als Duo schwierige Entscheidungen?

Marion Becker: Wir setzen uns zusammen, besprechen Vorteile und Risiken. Und Diplomatie ist natürlich von Vorteil. Wir arbeiten jetzt seit 6 Jahren zusammen – Dominik Hansmeier war für den Bereich Personal und Organisation zuständig, ich fürs Rechnungswesen und IT. So hat jeder seinen Blickwinkel, kann sich aber auch gut in den anderen hineinversetzen. In all der Zeit haben wir immer eine Lösung gefunden.

Dominik Hansmeier: Unser großer Vorteil ist, dass wir offen miteinander sprechen. Und wenn wir mal völlig anderer Meinung sind, dann holen wir uns andere Perspektiven ein – jemand aus der Führungsebene, dem Caritasrat oder je nach Thema auch einen externen Berater mit Blick von außen. Denn letztendlich wollen wir nur die beste Entscheidung für den Verband treffen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dominik Hansmeier: Wir wollen Menschen in der Region auch künftig die beste Versorgung bieten – ob bei der Kinderbetreuung oder in der Pflege. Deshalb ist es uns wichtig, trotz der allgemein angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland sichere Arbeitsplätze zu bieten und gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

Marion Becker: Als heimischer Sozialträger wollen wir weiterhin ein wichtiger Teil der Wirtschaft und der Gesellschaft sein und werden uns und unsere Angebote immer weiterentwickeln. Persönlich wünsche ich mir, dass wir noch nachhaltiger arbeiten können – erste Schritte mit einem E-Auto und einigen Team-E-Bikes haben wir bereits gemacht.

Bei Ihnen ist bereits einiges in Bewegung – trotzdem hat die Caritas bei vielen noch ein etwas verstaubtes, konservatives Image. Wie schaffen Sie diesen Übergang?

Dominik Hansmeier: Caritas ist für mich Arbeit mit Sinn – rund 2000 Menschen profitieren jeden Tag vom Einsatz unserer Mitarbeitenden. Hinter dieser Zahl stecken zahlreiche Familien, die entlastet werden bei der Pflege und Betreuung ihrer Lieben oder bei Problemen und Fragen im Alltag.

Wir bieten also eine wichtige Stütze in der Gesellschaft, im täglichen Leben. Das wollen wir künftig sichtbarer nach außen tragen. Viele unterschätzen uns auch als Arbeitgeber – mit rund 580 Mitarbeitenden sind wir im Raum Bestwig, Eslohe, Meschede und Schmallenberg stark vertreten. Deshalb nutzen wir aktiv Social-Media-Kanäle, um uns als innovativer Arbeitgeber zu präsentieren.

Marion Becker: All unsere Arbeit baut auf dem Konzept der Nächstenliebe auf. Unsere Motivation ist es, anderen zu helfen – das ist zeitlos, das ist unser Motor und macht uns zu einem großen Team. Genau das dürfen wir auch in schwierigen Zeiten nicht vergessen. Und da sind unsere Mitarbeitenden die besten Botschafter hier bei uns im Sauerland.

Die Fragen stellte Katja Voss.

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