
Die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel laden zu einem Internationalen Freiwilligendienst „Mitleben auf Zeit“ (MaZ) nach Bolivien, Brasilien, Mosambik und Rumänien ein. Mitleben und Voneinander-Lernen im Vordergrund.
Wenn Ihr in Bolivien seid, werdet Ihr merken, was dieses Jahr mit Euch macht.“ Thorben Prünte spricht aus Erfahrung. Er hat selbst 2015/2016 in Cochabamba gelebt und bereitet nun junge Erwachsene auf ihren Internationalen Freiwilligendienst vor. Drei von ihnen unterstützen derzeit im Montessori-Kindergarten der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel in Bolivien die pädagogischen Kräfte und geben Englisch-Unterricht.
Prünte gehört zu fast 400 jungen Menschen, die die Schwestern seit Ende der 1990er Jahre ausgesandt haben. Nach seinem Einsatz studierte er Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt interkulturelle Bildung. „Ich schätze, dass sich 95 Prozent aller Rückkehrerinnen und Rückkehrer anschließend für ein soziales Berufsfeld entscheiden“, sagt er.
Neuer Name, gleiche Idee

Das Auslandsjahr prägt fürs Leben und verändert Einstellungen. Auch der Freiwilligendienst selbst wandelt sich. Die deutschen Ordensgemeinschaften haben sich für eine Namensänderung entschieden: Aus „Missionar/in auf Zeit“ wurde „Mitleben auf Zeit“.
„Mitleben drückt sehr gut aus, was mit diesem Auslandsdienst gemeint ist“, erläutert Generaloberin Schwester Maria Thoma Dikow. „Die Freiwilligen sollen den Menschen auf Augenhöhe begegnen und ihre Kultur im Zusammenleben kennenlernen.“ Der Begriff „Missionar“ sei dagegen inzwischen negativ besetzt, besonders im Zusammenhang mit der kritischen Aufarbeitung der Kolonialgeschichte.
„Als Ordensgemeinschaften bleiben wir bei dem Begriff ‚Mission‘ – weil es dafür kein Äquivalent gibt“, so die Generaloberin. „Im modernen Sinne geht es uns dabei um interkulturelle Zusammenarbeit auf der Basis des Evangeliums.“
Austausch in beide Richtungen
Das interkulturelle Lernen spielt eine immer wichtigere Rolle. Die Ordensgemeinschaft lädt regelmäßig Mitschwestern aus Bolivien, Brasilien, Mosambik und Rumänien nach Deutschland ein. Von April bis Juni lebten zwei mosambikanische Ordensschwestern im Bergkloster Bestwig mit. Zudem arbeiten deutsche Ordensfrauen im Ausland, wie Schwester Maria Conelia Koch, die früher den Kindergarten in Meschede-Heinrichsthal leitete und dann den Kindergarten in Cochabamba aufbaute.
Seit 2017 kommen auch junge Menschen aus dem Globalen Süden als „Incomer“ nach Deutschland. Zwei Bolivianerinnen und eine Brasilianerin beginnen gerade ihren Dienst in sozialen Einrichtungen in Heilbad Heiligenstadt. George Frederico Bartels Oliveira aus Brasilien beendete seinen Einsatz wiederum im Mai. Er arbeitete in der Jugendeinrichtung „Villa Lampe“ in einem sozialen Brennpunkt. „Die ausländischen Jugendlichen begegneten mir viel offener als die deutschen“, sagt er rückblickend.
Von Kassel nach Cochabamba
Henry Opitz aus dem Kreis Soest gehört zu den dreien, die jetzt in Cochabamba arbeiten. „Das Informationsangebot vieler Organisationen hat mich zunächst erschlagen“, gibt er zu. Durch einen Bekannten erfuhr er vom Angebot der Schwestern.
Ida Steinbrück und Carla Cedra, Abiturientinnen des Engelsburg-Gymnasiums der Schwestern in Kassel, entschieden sich ebenfalls für den Dienst. „Mich hat immer schon der Gedanke fasziniert, eine neue Kultur kennenzulernen“, sagt Steinbrück. „Angesprochen hat mich hier, dass es eine kleinere Organisation mit familiärem Rahmen ist.“
Intensive Vorbereitung

Zur Vorbereitung gehören mehrere Treffen im Bergkloster Bestwig, Online-Module und eine Woche gemeinsames Wohnen. Die pädagogische Leiterin Birgit Bagaric koordiniert das Programm. „Die Fragen und Herausforderungen werden komplexer“, sagt sie. Zumal sich die Situation in den Einsatzländern stetig verändere.
Zurzeit bereiten sich neun Bewerberinnen und Bewerber auf ihren Dienst in Bolivien, Brasilien, Mosambik und Rumänien vor. Sie starten zwischen Juli und Oktober.
„Durch dieses Jahr habe ich gelernt, eigenständig zu werden“, sagt der 23-jährige Lawrence Schissler, der seinen Einsatz 2023/2024 absolvierte.
„Alle bringen unterschiedliche Motive mit“, weiß Thorben Prünte. „Doch alle sind hinterher in ähnlicher Weise beeindruckt und geprägt.“ So wandelt der Internationale Freiwilligendienst nicht nur sich selbst – er verwandelt vor allem die Menschen, die daran teilnehmen.
Ulrich Bock
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Weitere InformationenDas Programm der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel bietet jungen Menschen bis 28 Jahren Einsatzplätze in Bolivien, Brasilien, Mosambik und Rumänien. Es wird zu 75 Prozent durch das Bundesprogramm „weltwärts“ gefördert. Die Ordensgemeinschaft finanziert den übrigen Teil.
Die Freiwilligen beteiligen sich nur gering an Reise- und Visakosten. Sie erhalten Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld. Das Einsatzjahr gilt als Freiwilliges Soziales Jahr.
Bewerbungen für 2026/2027 werden ab sofort entgegengenommen. Informationen unter www.mitleben-auf-zeit.smmp.de oder bei Angelika Dolle unter Tel. 02904 808-477.
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