
Elisabeth Schmidt und Willu Grooten arbeiten ehrenamtlich im Beerdigungsdienst des Pastoralen Raums Meschede-Bestwig. Ihre Aufgabe: individuelle Abschiede gestalten. Ihr Einsatz zeigt – der Tod kann genauso bunt sein wie das Leben.
„Der Tod ist so bunt wie das Leben“
Eine Mutter war gestorben – und ihr Lieblingslied, ein moderner, energiegeladener Popsong, hätte so gar nicht zu einer Trauerfeier gepasst. Elisabeth Schmidt ließ sich davon nicht irritieren. Statt die Musik zu spielen, las sie aufmerksam den Liedtext, tauchte ein in seine Botschaft – und schrieb eine Predigt, die genau das zum Ausdruck brachte, was die Verstorbene und ihr Leben ausgemacht hatte. So gelang es ihr, einen Abschied zu gestalten, der den Wünschen der Angehörigen und der Persönlichkeit der Verstorbenen gerecht wurde.
Seit 2018 gestalten Elisabeth Schmidt und Willu Grooten im pastoralen Raum Meschede-Bestwig ehrenamtlich Trauerfeiern. Sie sind keine Trauerrednerinnen. Ihre Beerdigungen sind Wortgottesdienste. Für diese Aufgabe wurden sie ausgebildet und vom Bischof beauftragt. Und die Albe, das liturgische Gewand, das sie bei Beerdigungen tragen, wurde geweiht. Sie nehmen sich Zeit, wo andere oft keine mehr haben.
Beide Frauen sind seit vielen Jahren engagiert in ihrer Kirchengemeinde, leiten Wort-Gottes-Feiern, spenden die Kommunion. Bekannt sind sie vor allem durch Mundpropaganda – und durch ihre besondere Fähigkeit, den richtigen Ton zu treffen. Meistens kommen Anfragen direkt: Freunde, Bekannte, auch Bestattungsunternehmen vermitteln sie weiter.
Eine neue Form des Abschieds
„Viele möchten kein Seelenamt mehr“, sagt Elisabeth Schmidt. Häufig leben die Angehörigen weit entfernt, der Bezug zur Heimatgemeinde ist verloren gegangen. Dann treten Schmidt und Grooten an die Stelle des Pfarrers: Sie besuchen die Angehörigen, hören zu, sammeln Erinnerungen – und gestalten daraus eine individuelle Trauerfeier.
Besonders wichtig ist Schmidt die Auswahl des Evangeliums. Nicht irgendein Abschnitt soll vorgelesen werden, sondern einer, der das Leben des Verstorbenen widerspiegelt. „Ich finde im Evangelium den Menschen wieder. Der hat danach gelebt, das war seins.“
Trauer hat viele Gesichter, wissen beide Frauen. Manche weinen unaufhörlich, andere verstecken ihren Schmerz hinter Flapsigkeit. In jedem Fall geht es darum, die Persönlichkeit des Verstorbenen zu ehren – und den Angehörigen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. „Die Würde des Menschen endet nicht mit dem Tod“, sagt Willu Grooten.
Was verschwiegen bleiben darf
Oft erfahren Schmidt und Grooten Dinge, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind: gescheiterte Ehen, Alkoholprobleme, lange Leidensgeschichten. Ihre Kunst besteht darin, auch diese Wahrheiten zu respektieren – und dennoch eine Trauerrede zu gestalten, die Frieden stiftet. Die Angehörigen sollen einen guten Abschied haben, ohne Gesprächsstoff für alle anderen zu liefern. „Ein guter Abschied ist immer individuell“, sagt Schmidt. „Der Tod ist so bunt wie das Leben.“
„Ich sage den Leuten vorher: Bei mir dauert es etwas länger“, sagt Willu Grooten lachend. Als Pensionärin hat die frühere Amtsanwältin Zeit – und sie nutzt sie. Eine ganze Woche Vorbereitung ist möglich. Diese Zeit, sagen beide Frauen, unterscheide sie von einem viel beschäftigten Pfarrer.
Übrigens: Auch Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, schließen sie nicht aus. Jeder darf einen christlichen Abschied bekommen – verbunden mit der Hoffnung auf die Auferstehung und dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser.
Leben mit dem Tod
Elisabeth Schmidt arbeitet zusätzlich als seelsorgerische Begleiterin im Seniorenheim Elisabeth-Haus in Meschede. Auch dort gehört Sterbebegleitung zu ihrem Alltag. Viele Trauerfeiern finden hier statt, oft für Menschen, deren einzige Familie die Mitbewohner geworden sind.
„Man braucht schon eine gewisse Resilienz“, sagt sie. Ohne ihren Glauben, da ist sie sicher, könnte sie diese Aufgabe nicht bewältigen. „Ohne Glauben wäre ich nur am Heulen.“ Sie fühlt sich davon getragen und lebt, wie Grooten auch, in der Hoffnung auf die Wiederauferstehung.
Blick in die Zukunft
Die Zahl der Priester sinkt. In Zukunft, so sind sich Schmidt und Grooten sicher, wird es weniger Pfarrgemeinden geben – dafür noch größere pastorale Räume. Wort-Gottes-Feiern, gestaltet von Ehrenamtlichen, werden dann zur Regel. Für eine Messe werde man künftig wohl weite Wege in Kauf nehmen müssen.
Aber eines bleibt: der Abschied in Würde. Gestaltet von Menschen, die zuhören, sich Zeit nehmen – und die wissen, dass der Tod genauso vielfältig ist wie das Leben.
Wer mehr über die ehrenamtliche Begleitung von Trauerfeiern erfahren möchte oder selbst Unterstützung sucht, kann sich an das zentrale Pfarramt in Meschede wenden. Denn ein würdevoller Abschied kennt viele Wege – und oft beginnt er mit einem offenen Ohr.
Andreas Beer
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