Elisabeth Schmidt vom Caritas-Seniorenzentrum St. Elisabeth tritt in den Ruhestand

Elisabeth Schmidt (rechts) im Gespräch.
Nach vielen Jahren engagierter und zugewandter Arbeit verabschiedet sich die seelsorgliche Begleitung des Caritas-Seniorenzentrums St. Elisabeth in Meschede zum 1. Mai in den Ruhestand. Mit 64 Jahren hat Elisabeth Schmidt ihren Rentenantrag gestellt – ein Schritt, der ihr nicht leichtfällt, denn sie hat ihre Arbeit im Haus stets mit großer Freude und Überzeugung ausgeübt. Der Abschied ist daher von gemischten Gefühlen geprägt: Dankbarkeit, Wehmut und zugleich Vorfreude.
Der Weg zur Berufung
„Ich habe mein ganzes Leben mit Menschen gearbeitet“, sagt die umtriebige Meschederin mit bewegtem Lebenslauf. Ursprünglich wollte sie Gemeindereferentin werden, studierte dann aber Sozialarbeit mit Berufswunsch Bewährungshilfe. Durch ein zufälliges Treffen mit einer Bekannten auf dem Bahnhof wurde sie Leitung eines Caritas-Altenheimes in Marienheide. Nachdem familiäre Gründe für eine Rückkehr ins Sauerland sorgten, bildete sie zunächst Pflegekräfte aus und war dann bis zur Familienphase Mitarbeiterin im Sozialen Dienst in einem anderen Heim. Nach der Familienphase, einem Abstecher in die Schulbetreuung und ehrenamtlicher Arbeit für die Gemeinde, begann sie 2011 die Ausbildung zur seelsorglichen Begleitung – ihrer wahren Berufung. Als Frau Roth, die erste seelsorgliche Begleitung im Elisabeth-Haus in den Ruhestand ging, bewarb sie sich dort.
Schon beim ersten Schritt durch den Eingang ins Seniorenzentrum war ihr klar: „Hier ist es warm, hier fühle ich mich wohl.“ Im täglichen Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern wurde ihr immer deutlicher, wie wichtig Seelsorge ist – denn jeder Mensch hat eine Seele, unabhängig davon, ob er religiös gebunden ist oder nicht.
Seelsorge heißt: da sein und aushalten
Nicht immer war der Zugang einfach. Manche begegneten ihr mit Vorbehalten und sagten: „Kommen Sie mir nicht mit Gebeten, dann mache ich nicht mit.“ Doch im Gespräch wurde Elisabeth Schmidt nicht nur einmal überrascht, wie viele doch Trost, Halt und Hoffnung im Gebet und einer wie immer gearteten Gottesbeziehung gefunden haben. So manches Mal war die Akzeptanz einer Situation auch trotz ihrer professionellen Distanz eine Herausforderung für sie, denn Seelsorge bedeutet nicht, Probleme zu lösen oder Situationen zu verändern – wie die Sozialarbeiterin in ihr es gern getan hätte. Seelsorge heißt für sie, anzunehmen, mitzugehen, da zu sein und Dinge auszuhalten. Genau darin liegt ihre Kraft.
Zu ihren zentralen Aufgaben im Haus gehörten Einzel- und Krisengespräche, Wortgottesfeiern sowie der Beerdigungsdienst. Sie hat die Bewohnerinnen und Bewohner vom Einzug bis zum Lebensende begleitet. In ihren Augen ist ein Einzug in ein Altenheim immer auch ein Stück Abschied – von der bisherigen Lebensform, von Selbstverständlichem, manchmal auch von Entscheidungen der Angehörigen, die den Betroffenen schwerfallen anzunehmen. Elisabeth Schmidt war es ein großes Anliegen, den Menschen mitzugeben: Das ist kein Ende, sondern ein neuer Abschnitt.
„Das hier ist unser letzter Bahnhof – aber den machen wir uns schön.“
Ein Zitat einer Bewohnerin ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „Das hier ist unser letzter Bahnhof – aber den machen wir uns schön.“
Dieses Bild wurde zum Motto ihrer Arbeit. Ihr Ziel war es immer, dass Menschen ihren Lebensabend würdevoll verbringen können – unabhängig davon, in welcher körperlichen oder geistigen Verfassung sie sind.
Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Sterbebegleitung, die sie als ihre vielleicht wichtigste Aufgabe bezeichnet. Diese konnte sie nur aus ihrem Glauben heraus leisten. „Hoffnung spielte dabei eine zentrale Rolle – ohne sie“, sagt sie offen, „wäre diese Arbeit kaum auszuhalten gewesen.“ Rituale, gemeinsame Feiern und gelebter Glaube sind für viele Menschen im Alter besonders wichtig. Gemeinschaft trägt, gerade dann, wenn die Kräfte nachlassen. Der Glaube lebt aus dieser Gemeinschaft im Seniorenzentrum – und wird oft neu geschätzt.
Besonders dankbar blickt sie auf das Vertrauen zurück, das die Bewohnerinnen und Bewohner ihr entgegengebracht haben: dass sie zu ihr gekommen sind, sich geöffnet oder sich einfach gefreut haben, wenn sie vorbeikam. So seien Beziehungen und Einflüsse gewachsen, die nicht messbar seien, aber ganz deutlich spürbar. Sehr geschätzt hat sie in all den Jahren das gute Miteinander im Haus. Pflege, Betreuung, sozialer Dienst und Seelsorge hätten Hand in Hand gearbeitet – ohne dieses Team wäre ihre Arbeit in dieser Form nicht möglich gewesen. Dafür ist sie sehr dankbar.
Ein großes Anliegen war und ist ihr zudem, die pauschalen Vorurteile gegenüber Seniorenzentren abzubauen. Niemand verliere dort seine Würde oder Freiheit, im Gegenteil: Man gewinne Gemeinschaft dazu und könne – je nach individueller Situation – weiterhin viel erleben. Hier denkt sie auch schon weiter: Durch den Transformationsprozess des Bistums hofft sie darauf, dass das Seniorenzentrum St. Elisabeth als „Verlässlicher Ort der Seelsorge“ anerkannt wird und seinen festen Platz im Gemeindeleben haben wird.
Ruhestand, aber nicht weg
Und so ganz verabschieden wird sich Elisabeth Schmidt nicht, auch im Ruhestand bleibt sie aktiv: Elisabeth Schmidt wird weiterhin im Gemeindeteam mitarbeiten, ehrenamtlich in der Sterbebegleitung im Caritas-Seniorenzentrum unterstützen und bei den traditionellen Festen im Haus mit anpacken. Außerdem möchte sie einmal im Jahr mit Caritours eine Seniorengruppe unterwegs begleiten – diese Reiselust begleitet sie auch in ihrem privaten „Unruhestand“: Neben ihrem Engagement freut sie sich aber auch auf private Pläne wie mehr Freizeit mit ihrem Mann – eine Schiffstour nach Island zur Mitternachtssonne ist bereits gebucht. Aber einen besonderen Platz nimmt ihr Enkelsohn ein: Mit ihm will sie viel Zeit genießen, denn auch die Jahre kommen nicht wieder und schaffen Erinnerungen für ihr „Alter“.
Mit großer Dankbarkeit blickt sie auf ihre Zeit bei der Caritas zurück – dankbar, dass sie ihrem inneren Ruf folgen durfte. Das Seniorenzentrum verabschiedet eine seelsorgliche Begleitung mit Herz und Haltung und behält zugleich einen Menschen, der dem Haus und den Menschen weiterhin eng verbunden bleibt.
Katja Voss
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