Katholisches Leben in Meschede und Bestwig

Nähe im Alter

Frischer Kuchen aus der Wohnküche, gemeinsames Singen im Wohnzimmer – in der Senioren-WG am Bergkloster Bestwig zählt Alltag statt Akkord. Jetzt sucht das Team Pflegekräfte, die Nähe wichtiger finden als Minutenpläne.

Kornelia Nöller arbeitet seit zehn Jahren in in der Senioren-Wohngemeinschaft. Foto: Andreas Beer

„Gestern haben wir erst mal zum Muttertag gesungen“, erzählt Kornelia Nöller. Sie arbeitet seit zehn Jahren als Hauswirtschaftskraft in der Senioren-Wohngemeinschaft am Bergkloster in Bestwig. Die Einrichtung gehört zur Seniorenhilfe SMMP, einem Unternehmen der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel.

Zwölf Seniorinnen und Senioren leben in der WG. Neben Kornelia Nöller kümmert sich hier auch Anja Ahrens seit neun Jahren um die Bewohnerinnen und Bewohner. Gemeinsam singen, spielen und kochen gehören fest zum Alltag. Anders als in vielen Pflegeeinrichtungen kommt das Essen nicht aus einer Großküche, sondern täglich frisch aus der eigenen Wohnküche.

Beruflich neue Wege gehen

Die WG beschäftigt insgesamt 20 Mitarbeiterinnen. Sechs arbeiten in der Hauswirtschaft, die übrigen in der Nachtbereitschaft. Tagsüber dauern die Schichten jeweils gut fünf Stunden. Die meisten Mitarbeiterinnen sind Quereinsteigerinnen. Manche kommen aus der Gastronomie, andere aus völlig unterschiedlichen Berufen. Für alle bietet die Seniorenhilfe Weiterbildungen zur Betreuungskraft an.

Michelle Rotkord leitet die Wohngemeinschaft. Ihre Ausbildung hat sie teilweise in einem großen Pflegeheim mit über 100 Plätzen absolviert. „Dort war es viel hektischer“, sagt sie. In der WG ist alles kleiner und familiärer. Das berufstypische schnelle Tempo musste sie sich erst wieder abgewöhnen.

Attraktive Arbeitsbedingungen

Bisher ist Rotkord die einzige Pflegefachkraft in der Einrichtung. Derzeit übernimmt der ambulante Dienst der Caritas die pflegerischen Aufgaben. Doch ab September will die Seniorenhilfe eigene Fachkräfte einstellen. Diese sollen dann auch in der Pflegestation des Bergklosters arbeiten.

Viele Pflegekräfte haben ihren Beruf während der Corona-Zeit verlassen. Zu viele Zusatzschichten, zu viel Stress. „Das gibt es hier nicht“, sagt Rotkord. Wochenenddienst haben die Betreuerinnen nur an jedem dritten Wochenende – eine Seltenheit in der Pflegebranche. Springt jemand außerplanmäßig ein, gibt es neben zusätzlicher Bezahlung Bonuspunkte. Diese Punkte werden in einer App gesammelt und können als Einkaufsgutscheine eingelöst werden.

Ab September werden also Pflegefachkräfte gesucht, die sich eine familiäre Arbeitsumgebung wünschen – mit Zeit für die Bewohner und Raum für persönliches Engagement.

Andreas Beer

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