Katholisches Leben in Meschede und Bestwig

Von Übergängen oder: „Umbruchzeiten sind Gnadenzeiten“

Von Pater Vincent Grunwald OSB

Umbruchzeiten sind Gnadenzeiten“ – wer diesen Satz ursprünglich gesagt hat, weiß ich gar nicht genau. Ich verbinde ihn mit meinem Professor für Pastoralpsychologie an der Theologischen Fakultät Paderborn, Pastor Christoph Jacobs, der diesen Satz immer dann gesagt hat, wenn es um die Umbrüche und Veränderungen in der Kirche und den Gemeinden ging.

P. Vincent Grunwald OSB, geboren 1989, seit 2015 Mönch in der Abtei Königsmünster, Mitarbeit im Gastbereich der Abtei, Seelsorger im Team der Marienwallfahrt Werl. Foto: Andreas Weller

Der Tag, an dem ich diesen Text schreibe, ist auch ein Tag der Umbrüche und des Übergangs: der Silvestermorgen 2024. Nur noch ein paar Stunden und das alte Jahr ist Geschichte, ein neues Jahr liegt wie eine weiße Leinwand oder ein noch ganz neues und unbeschriebenes Tagebuch vor mir.

Die Kunst des Übergangs

Am Jahreswechsel wird die Kunst des Übergangs besonders deutlich: bewusst schauen wir noch einmal auf das vergangene Jahr zurück. Was habe ich alles erlebt? Was habe ich in diesem Jahr gelernt? Auf was blicke ich dankbar zurück und wo bin ich froh, dass ich etwas abschließen und einen Haken dahinter machen kann?

Ich glaube, dass gerade die ruhigen Tage „zwischen den Jahren“ und der Jahreswechsel selbst deutlich machen können, wie ein guter „Übergang“ gelingen kann. Bewusst zurückzuschauen, dankbar zu sein für alles Schöne, Kostbare und Gute, dass ich in diesem Jahr erleben durfte, was ich gut gemeistert habe, woran ich gewachsen bin und wovon ich später noch gerne erzählen werde. Erinnerungen, die ich mit anderen teile. An unbeschwerte Stunden, Lachen aus vollem Herzen, gemeinsam durchgestandene Krisen.

Aber da gibt es auch das, was ich gerne hinter mir lassen möchte. Was wohl nicht aus meiner Erinnerung verschwinden wird, weil es dafür zu einschneidend und zu schmerzhaft war. Erschütterungen, Enttäuschungen, Zeiten der Unsicherheit und auch Streit. Konflikte, die sich nicht mehr lösen lassen oder Verletzungen, die immer noch weh tun.

Auch dafür gilt: das noch einmal bewusst anzuschauen und zu versuchen, es anzunehmen. Denn auch das gehört zu mir und zu meinem Leben und prägt mich. Aber ich muss mich nicht davon bestimmen lassen. Ich darf, wo es möglich ist, auch ein Kapitel meines „Lebenstagebuchs“ abschließen und ein neues beginnen.

Kirche im stetigen Wandel

Die Umbrüche in unserer Kirche erlebe ich fast als einen „Normalzustand“ – denn ich kenne die katholische Kirche eigentlich gar nicht anders als im Wandel und im Übergang. Sowohl als Theologiestudent als auch, seit ich als Mönch in der Abtei Königsmünster lebe, bin ich immer wieder mit Veränderungen konfrontiert.
Über manche bin ich froh, weil sie aus meiner Sicht überfällig waren. Zum Beispiel darüber, dass wir viel offener und unbefangener über die Rolle der Frauen in der Kirche diskutieren können und dass die Frage nach den Zugangsbedingungen für das Weiheamt in dem Sinne überhaupt erst einmal eine diskutierbare Frage geworden ist.

Andere Veränderungen fallen mir nicht leicht und tun mir weh: etwa der gesellschaftliche Vertrauensverlust gegenüber der Kirche und dass so viele Menschen aus der Kirche austreten. Nicht dass ich nicht auch vieles verstehen könnte, wenn ich mir ihre Geschichte anhöre. Aber es wäre ja schlimm, wenn mich das nicht traurig machen würde.

Ich bin aber auch sehr dankbar und immer wieder aufs Neue berührt, wenn ich als Seelsorger die kleinen und großen „Übergänge“ im Leben von Menschen miterleben und mitbegleiten darf. Ein kleines Kind zu taufen empfinde ich immer als großes Geschenk.

Übergänge im Seelsorgealltag

Das Geheimnis des Übergangs und der „Wandlung“ wird für mich in der Feier der Eucharistie in einer Tiefe erfahrbar, die ich mit Worten kaum beschreiben kann. Das gebrochene Brot in den Händen halten zu dürfen, in dem sich Jesus Christus ganz schenkt und hingibt, ist das große Geheimnis des „Pas-cha“, des „Übergangs“.

Als Beichtvater in der Werler Wallfahrtsbasilika darf ich den Menschen die Zusage Gottes selbst sagen: das Wort der Vergebung, das einen neuen Anfang schafft. Und am deutlichsten wird mir das „Pas-cha-Geheimnis“ unseres Lebens bei der Feier der Beerdigung eines Menschen. Wir legen den Leib in die Erde wie ein Samenkorn und vertrauen darauf, dass der Lebenssamen eines Menschen aufblüht und wächst in Gottes Ewigkeit.

Dieses Ritual verdeutlicht den größten Übergang unseres Lebens, wir „segnen das Zeitliche“ – es wird noch einmal auf das Leben des oder der Verstorbenen zurückgeschaut und im Licht der Zusage Gottes ist es „gesegnet“, „gutgeheißen“. Und dann kommt das „Ewige“, das für uns zeitliche Menschen immer ein Geheimnis bleiben wird.

Ein Lebensmotto für herausfordernde Zeiten

Umbrüche – kleine und größere – ob in meinem persönlichen Leben, in der Kirche oder im Leben meiner Mitmenschen, sie prägen mein Leben als Mönch und als Seelsorger. Und deshalb bin ich froh für die Haltung und die Glaubensüberzeugung, die mir seit meiner Zeit im Priesterseminar wichtig geworden ist: „Umbruchszeiten sind Gnadenzeiten“.

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