Katholisches Leben in Meschede und Bestwig

Das Dekanat wird Geschichte

Am 1. Advent geht das Dekanat Hochsauerland-Mitte im neuen Seelsorgeraum auf. Britta Spahlholz ist Dekanatsreferentin in Meschede. Sie organisiert diesen Übergang mit und koordiniert künftig die „Ankerzeit“, eine Zeit der geistlichen Verortung in der Transformation. Ein Gespräch über Antwort-Postkarten, lebendige Dörfer und die Frage, ob Kirche anonymer wird.

Britta Spahlholz, Dekanatsreferentin des Dekanats Hochsauerland-Mitte. (Foto: Dekanat Hochsauerland-Mitte)
Britta Spahlholz, Dekanatsreferentin des Dekanats Hochsauerland-Mitte. (Foto: Dekanat Hochsauerland-Mitte)

Eine Postkarte für die Inventur

Frau Spahlholz, bis Ende November erstellt das Dekanat eine Bestandsaufnahme des kirchlichen Lebens. Wie läuft das konkret ab: Wer wird befragt, und was geschieht mit den Ergebnissen?

Britta Spahlholz: Seitens des Erzbistums haben wir im Sommer vorausgefüllte Listen erhalten, die bereits viele Daten zu Einrichtungen, kirchlichen Gruppen und Verbänden oder den Inhalten der Pastoralvereinbarungen enthalten. Unsere Aufgabe im Dekanat ist die Überprüfung und Aktualisierung der Listen. Dies können wir jedoch nicht immer allein beantworten. Die Listen haben wir daher an diejenigen Hauptberuflichen weitergegeben, welche am besten eine inhaltliche Korrektur vornehmen können. Für Ehrenamtliche haben wir ebenfalls eine niederschwellige Möglichkeit geschaffen, Rückmeldungen zu geben: Wir haben im Dekanatsteam eine Antwort-Postkarte entwickelt, auf der Informationen zum kirchlichen Leben vor Ort eingetragen werden können. Alternativ ist auch die Beantwortung der Fragen über eine digitale Umfrage möglich. Die Rückmeldungen von Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen führen wir ab Mitte Oktober im Dekanat zusammen. Wir übermitteln die Änderungen bis Ende November an das Erzbistum. Aufbauend auf den Ergebnissen soll dann eine weitere Bearbeitung im Bistumsprozess erfolgen.

Was die Inventur zeigt

Was haben Sie dabei bisher über das kirchliche Leben zwischen Meschede, Bestwig, Eslohe und Schmallenberg gelernt?

Im Zuge der Visitationsreise mit Weihbischof Matthias König im Herbst 2025 ist mir deutlich geworden, wie viele kirchliche Einrichtungen und engagierte Akteur/-innen es in unserem Dekanat gibt. Erfreulich finde ich auch die gute Zusammenarbeit von Kirche und Kommunen in unserem Dekanat.

Lebendig sein zählt

Können sich Gemeinden, Gruppen oder Einrichtungen aktiv darum bemühen, ein verlässlicher Ort zu werden? Was müssen sie dafür tun?

Aktive Gruppen, Verbände und Einrichtungen werden weiterhin gefördert. Sie werden dann so genannte „lokale verlässliche Orte“ in der neuen Struktur des Bistums sein. Wichtig ist also, „lebendig“ bzw. „aktiv“ zu sein.

Was im Dorf bleibt

Was bedeutet die Reform für ein einzelnes Dorf mit Kirche, Schützenfest und kfd-Gruppe: Was bleibt, was verändert sich?

Wo aktives (Vereins-)Leben ist, wird sich erstmal nichts wesentlich verändern. Das kirchliche Leben vor Ort soll weitergehen! Die Unterstützung durch Priester oder andere Hauptberufliche wird jedoch zurückgehen oder sich verändern. In Bad Fredeburg bekomme ich aktuell mit, dass sich die Gemeinde mit einer stärkeren inhaltlichen Profilierung ihrer Kirche auseinandersetzt. Entsprechende Schwerpunkte für Kirchen, wie beispielsweise Rad- oder Lichterkirchen, gibt es ja auch bereits andernorts in unserem Dekanat.

Taufe im
Pastoralen Zentrum?

Taufe, Erstkommunion, Beerdigung: Wo werden Familien diese Feiern in fünf Jahren erleben, eher im Heimatort oder im Pastoralen Zentrum?

Das Pastorale Zentrum bietet das „Komplettprogramm“. Hier werden weiterhin Sakramente gespendet. Inwieweit dies auch in anderen Einheiten des Seelsorgeraums der Fall ist, wird erst die neue Leitung mit den Hauptamtlichen und den Gremien beraten und entscheiden.

Hilfe fürs Ehrenamt
startet anderswo

Für den Seelsorgeraum ist eine hauptamtliche Stelle zur Engagementförderung vorgesehen. Ist sie schon besetzt, und was soll diese Person konkret tun?

Das Erzbistum hat sich entschieden, mithilfe von ersten „Pilot-Räumen“ den Einsatz der Engagementförderer/-innen zu testen. Das Dekanat Hochsauerland-Mitte zählt hierbei nicht zur Test-Region. Die ersten Engagementförderer/-innen werden im Herbst 2026 ihre Tätigkeit aufnehmen. Aufgabe der Engagementförderer/-innen ist hierbei nicht, inhaltlich tätig zu werden. Vielmehr arbeiten Engagementförderer/-innen mit Multiplikator/-innen zusammen. Multiplikator/-innen sind dabei Organisationen, die wiederum mit Ehrenamtlichen zusammenarbeiten.

Was 2027 anders ist

Was werden die Menschen im Dekanat im Jahr 2027 als Erstes konkret merken?

Dass das Dekanat Geschichte sein wird. Die Dekanate existieren nur noch bis zum  1. Advent 2026. Danach gehen sie bereits in den Seelsorgeraum bzw. die Übergangszeit über.

Chance und Sorge

Wo sehen Sie die größte Chance des Umbaus, und was bereitet Ihnen am meisten Sorge?

Die Transformation ist notwendig. Es wird nicht so weitergehen wie bisher. Das Erzbistum sieht jetzt die Chance, seine Strukturen zu modernisieren, sich zukunftsfähig aufzustellen sowie Inhalte und Lebensthemen stärker zu fokussieren. Auch die Verschlankung und Vereinfachung von Verwaltungsprozessen ist ein wichtiges Ziel. Fraglich bleibt für mich bislang, wie Nähe zu den Menschen in großen Seelsorgeräumen gelingen soll. Wird nicht alles anonymer? Wer hält das kirchliche Leben vor Ort aufrecht? Zudem bin ich gespannt darauf, wie schlussendlich die Substrukturen für ehrenamtliches Engagement im Seelsorgeraum aussehen werden. Sorge bereitet mir zudem, dass Informationen zeitweise unkonkret bleiben. Nicht alle werden die Geduld aufbringen können oder wollen, auf für sie zentrale Entscheidungen zu warten.

Offen für Veränderung

Was motiviert Sie persönlich, diesen Prozess zu gestalten?

Ich bin persönlich offen für Veränderungen. Daher motiviert mich die Chance, durch meine Tätigkeit als Dekanatsreferentin bzw. im Übergangsteam am „Umbau“ des Erzbistums mitzuwirken.

Die Fragen stellte Andreas Beer

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