Katholisches Leben in Meschede und Bestwig

St. Luzia bleibt. Und wird kleiner.

In Berge gingen in diesem Sommer Gerüchte um. Verliert das Dorf seine Kirche? Dann legte der Kirchenvorstand einen Plan vor, der Kirche, Grundschule und Vereine unter ein Dach bringen soll.

Pfarrkirche St. Luzia in Berge. (Foto: Andreas Beer)

Nach dem Sonntagsgottesdienst blieben im August rund 120 Menschen in der St.-Luzia-Kirche. Matthias Rammrath, Geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands, stellte ihnen vor, wie es mit ihrer Pfarrkirche weitergehen könnte. Zuvor waren im Ort Gerüchte mit falschen oder lückenhaften Informationen im Umlauf, berichtet Rammrath. „Es war die Rede vom Gottesdienst in einer Turnhalle zwischen Fußbällen und Turnmatten bis hin zur vollständigen Aufgabe des Kirchengebäudes.“ Die Vorstellung der Pläne habe für Erleichterung gesorgt.

Ein Seitenteil bleibt Kirche

Nach dem Plan schrumpft der Kirchenraum von fast 500 auf rund 100 Sitzplätze. In einem Seitenteil des Gebäudes soll ein kleinerer Kirchenraum mit eigener Sakristei und womöglich eigenem Eingang entstehen. Der große Rest würde zu einer Turnhalle für den Schul- und Vereinssport; der benachbarten Grundschule fehlt bisher eine eigene Halle. Auch die Vereine des Dorfes könnten die neuen Räume nutzen. Hauptportal und Kirchturm sollen bleiben, wie sie sind.

Wichtig ist Rammrath die klare Trennung der Bereiche: Altar, Tabernakel, Taufbecken und Ambo sollen künftig in einem eigenen, vollständig ausgestatteten Sakralraum stehen. „Im Grunde behalten wir eine ‚ganz normale Kirche‘ mit einer Besonderheit: ihre Rückwand grenzt an ein Schul-/Sportgebäude – mehr nicht.“ Für große Feiern wie die Christmette oder die Erstkommunion des alten Kirchspiels Calle soll sich die Trennwand durch flexible Wandelemente oder Tore öffnen lassen.

Warum die Kirche zu groß ist

Zu den Sonntagsgottesdiensten in St. Luzia kommen nach Rammraths Angaben im Regelfall 40 bis 80 Menschen. Zugleich läuft bistumsweit der Immobilienprozess: Das Erzbistum Paderborn will rund 30 Prozent seiner Flächen einsparen. Die 1968 eingeweihte Kirche steht nicht unter Denkmalschutz. Erst das macht das Projekt nach Rammraths Worten möglich.

Pfarrer Michael Schmitt, Leiter des Pastoralen Raums Meschede-Bestwig, hält den Plan für eine sehr gute Lösung. Das Heft des Handelns liege beim Kirchenvorstand und bei der Stadt Meschede. Schmitt erinnert daran, dass im Pastoralen Raum in den vergangenen Jahren schon einiges passiert ist: Das Kirchenzentrum in Meschede übernahm eine Gruppe der Evangeliumschristen, in das Pfarrheim in Nuttlar zog der Caritas-TagesTreff St. Anna ein, der Gottesdienstraum St. Raphael ist endgültig umgenutzt. „Ich wäre froh, wenn wir – bei aller Trauer, sich von liebgewordenen Gebäuden zu trennen, und allem berechtigten Abschiedsschmerz – in anderen Bereichen auch solche kreativen Lösungen wie in Berge finden würden!“

Machbar für gut drei Millionen Euro

Am 22. September stellte die Stadtverwaltung das Konzept dem Ausschuss für Generationen, Bildung, Freizeit und Soziales vor. Die Machbarkeitsstudie von Architekt Ralf Schmidt bestätigt den Ansatz: „Eine mögliche Doppelnutzung: Eine Turnhalle mitten im Kirchenschiff – unter Berücksichtigung der Belange der Kirchengemeinde.“ Dafür würde die rückwärtige Wand des Gebäudes versetzt; so entstünde im Kirchenschiff Platz für ein rund 500 Quadratmeter großes Sportfeld. Die Stadt schätzt die Kosten einschließlich Planung auf gut 3,1 Millionen Euro.

Entschieden ist damit noch nichts. Bürgermeister Christoph Weber betonte laut der Pressemitteilung der Stadt Ende September, die Konzepte seien keine „Luftschlösser“, sondern eine Grundlage für die künftigen Haushaltsberatungen. Stadtkämmerer Jürgen Bartholme erinnerte zugleich an die Grenzen: „Am Ende müssen es 30.000 Leute in dieser Stadt bezahlen.“ Nun beraten die Fraktionen. Auch das Erzbistum muss der Umnutzung zustimmen; der Antrag ist nach Angaben des Kirchenvorstands in Paderborn bereits in Bearbeitung. Über das Geld entscheidet der Stadtrat.

Andreas Beer

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