Katholisches Leben in Meschede und Bestwig

Mit dem Rad von Kirchturm zu Kirchturm

Vier Dorfkirchen-Radrouten in Schmallenberg und Eslohe laden dazu ein, die Kirchenlandschaft des Sauerlands zu erfahren – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Radfahrerinnen an der St.-Jakobus-Kapelle, Bremscheid. (Foto: Klaus-Peter Kappest)

Wer auf den Dorfkirchen-Radrouten unterwegs vom Rad steigt und die am Weg liegenden Kirchen besucht, wechselt für einen Moment den Rhythmus: vom warmen Fahrtwind ins kühle Gemäuer, vom Blick über Wiesen und Höhen in einen Raum aus Holz, Stein und Geschichte. So dreht die römische Glücksgöttin Fortuna seit Jahrhunderten ihr Rad an der Kirchenwand in Berghausen. In Wormbach ziehen zwölf Tierkreiszeichen über das Gewölbe – uralte Sternsymbole in einer der ältesten Kirchen des Sauerlands. Hoch über Eslohe erinnert die Rochuskapelle an Pestangst, Gelübde und Durchhalten.

Zwei Routen, 18 Kirchen, 76 Kilometer

Seit August 2025 gibt es im Schmallenberger Sauerland zwei Dorfkirchen-Radrouten. Sie verbinden das Landschaftserlebnis mit Dorfgeschichte, Glauben, Kunst und persönlichen Gedanken. Die erste Variante führt zu zehn Kirchen und Kapellen, die zweite zu acht. Für die 40 beziehungsweise 36 Kilometer langen Rundwege sollten Radfahrerinnen und Radfahrer etwa drei bis dreieinhalb Stunden einplanen. Hinzu kommt die Zeit, in der die Kirchen und Kapellen besucht werden.

Diese sind so vielfältig wie die Landschaft selbst. Manche sind groß und prächtig, andere klein und dezent geschmückt. Einige liegen geschützt unter Bäumen. Andere befinden sich auf einem Berg, sodass der Blick weit über die Umgebung schweifen kann.

Tourismus und Pastoraler Raum als Partner

„Die Idee für die Radtouren kam vom Schmallenberger Sauerland Tourismus“, berichtet Monika Winzenick, Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Schmallenberg-Eslohe. „Wir haben dann die Kirchenräume ausgesucht und der Tourismus hat sie zu einer abwechslungsreichen Radroute verbunden.“ Die Informationen und Geschichten rund um die einzelnen Kirchen und Kapellen hat Winzenick beigesteuert. Eine professionelle Texterin unterstützte das Projekt dabei, die Geschichten der Kirchen lebendig aufzubereiten und als Audioguides hörbar zu machen.

Die Infotafeln, QR-Codes und Audioguides führen in die Geschichten der Orte ein und erzählen von alten Glocken, barocken Figuren, schlichten Bruchsteinmauern, hellen Kirchenräumen, verschwundenen Vorgängerbauten und Menschen, die ihre Kapellen mit Opfern, Arbeit und Ausdauer erhalten haben. Zudem wartet an jeder Station ein kurzer Impuls – eine Frage, ein Gedanke oder eine Anregung, die dazu einlädt, das Erlebte über den Besuch hinaus weiterzudenken.

Regelmäßig erlebt Winzenick, wie gut die Radtouren bei Einheimischen und Gästen ankommen. „Dafür muss man nur das Gästebuch in der Lichter- und Zuspruchskirche in Gleidorf durchblättern“, sagt sie. Umso mehr freut es die Gemeindereferentin, dass in diesem Jahr zwei weitere Dorfkirchen-Radrouten in Eslohe hinzugekommen sind.

Eslohe zieht nach: 21 Kirchen auf zwei neuen Runden

Die erste Variante verbindet auf knapp 30 Kilometern 13 Kirchen und Kapellen. Sie führt zu Orten, an denen Dorfleben, Baukultur und Landschaft eng ineinandergreifen: In Eslohe schwebt die Madonna im Strahlenkranz über dem Kirchenschiff. In Sallinghausen erzählt St. Antonius davon, wie eine Dorfgemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg für einen Neubau sammelte und ihn verwirklichte. In Herhagen steht St. Laurentius direkt neben dem Geburtshaus der Sauerländer Heimatdichterin Christine Koch. Und in Wenholthausen erzählt St. Cäcilia vom Wandel einer mehr als 700 Jahre alten Pfarrgemeinde – sichtbar im Zusammenspiel von historischem Turm und modernem Kirchenbau.

Die zweite Variante ist mit 26 Kilometern etwas kürzer, aber ebenso reich an Erlebnissen und Geschichten. Zu ihren Stationen gehört die hoch über Eslohe gelegene Rochuskapelle. In Niedersalwey wartet mit St. Quirinus vermutlich das älteste Gebäude der Gemeinde. In Kückelheim entwickelte sich eine kleine Kapelle über Generationen hinweg zu einer Kirche – getragen von Beharrlichkeit, Spendenbereitschaft und dem Wunsch nach einem eigenen Glaubensort. Hier beginnt der Franziskus-Rundweg, der den Sonnengesang des Franz von Assisi in die Landschaft trägt. In Cobbenrode verbindet St. Nikolaus schließlich auf eindrucksvolle Weise Tradition und Moderne. Als Teil der Straße der Moderne gehört die Kirche zu den architektonischen Besonderheiten der Region.

Das Routennetz verbindet damit mittlerweile 39 Kirchen und Kapellen auf vier Rundtouren. Winzenick ist dankbar für das Gemeinschaftsprojekt, das auch vom Erzbistum Paderborn als innovatives Vorhaben gefördert wurde. „Die Dorfkirchen-Radroute erreicht Menschen dort, wo sie unterwegs sind: auf dem Rad, im Urlaub, zwischen zwei Orten, vielleicht ganz ohne festen kirchlichen Anlass.“ Auf diese Weise werden Kirchen und Kapellen als offene Orte erlebbar. „Wer eintritt, kann schauen, zuhören, eine Frage mitnehmen oder einfach für einen Moment still werden – ganz ohne Schwelle und ohne Vorwissen.“

Mehr im Weniger auf zwei Rädern

Für die Gemeindereferentin verkörpert das Projekt genau das, was Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz unter dem „mehr im Weniger“ versteht und in seinem Hirtenwort angesprochen hat. „Diese Radtouren haben bei den Einheimischen das Bewusstsein dafür geschärft, was für ein Schatz die Kirchen und Kapellen sind und dass sie erhalten bleiben müssen“, sagt sie. Gemeindemitglieder kommen von sich aus auf Winzenick zu und organisieren Orgelkonzerte oder Segnungsgottesdienste, um Radfahrerinnen und Radfahrer auf ihren Touren durch das Sauerland in der jeweiligen Kirche oder Kapelle willkommen zu heißen.

Diesen einladenden und positiven Eindruck von Kirche nehmen die Menschen mit nach Hause. Davon ist die Gemeindereferentin überzeugt. Einige Einheimische, die den Küsterdienst übernehmen oder die Kirchenräume auf- und abschließen, berichten ihr, dass sie von Besucherinnen und Besuchern angesprochen worden seien. „Damit erreichen wir eine ganz andere Zielgruppe und schaffen Kontaktpunkte zu Glauben und Kirche, die sonst nie zustande gekommen wären.“

Wer sich auf den Weg macht, findet zwischen Anstieg und Abfahrt immer wieder Orte zum Ankommen, Innehalten und Weiterdenken. Und das Beste: War der Kopf unterwegs mehr bei der Landschaft als bei den Informationen, lassen sich die Infos, Audioguides und Impulse später ganz in Ruhe auf der Website noch einmal nachlesen und nachhören. 

Schmallenberger Sauerland Tourismus / Jasmin Lobert

Die Internetseite der Dorfkirchen-Radtouren finden Sie hier:
www.schmallenberger-sauerland.de/besonderes/dorfkirchen-radroute

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