Männer sind stark, weinen nicht, haben keine Schmerzen, reden nicht über sich und bestimmen die Welt. Ein altes Rollenbild, das nicht mehr in die heutige Zeit passt. Womit sich Männer heute auseinandersetzen müssen und wie wichtig es ist, sich bei Bedarf Hilfe zu suchen, erklärt Norbert Plaßwilm, männerfokussierter Berater des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Hochsauerland.

Norbert Plaßwilm kümmert sich um Männer in Krisen, um Männer nach Trennung und Scheidung, um alleinerziehende Väter, um Opfer und Täter von Gewalt und um Männer, denen ihre Rolle als Vater oder Mann unklar geworden ist. „Echte Männer reden“ heißt die Kampagne des SKM-Bundesverbandes, des Sozialdienstes Katholischer Männer. Unter diesem Motto arbeitet auch die Männerberatung des SkF in Arnsberg.
„Das Bild von Männlichkeit hat sich in den letzten Jahren enorm verändert“, so Plaßwilm. „Männer erleben, dass das ‚klassische‘ Rollenbild verloren geht“, ergänzt er.
Kein Hauptverdiener mehr,
aber auch kein Vorbild
Der moderne Mann ist nicht mehr der Hauptverdiener und das Familienoberhaupt. Er soll mit Frau und Kindern in einen Dialog gehen und sich ebenso wie seine Frau um die Sorgearbeit kümmern, also um Kinder und Haushalt. Wichtige Entwicklungen, die zugleich viele Männer aus dem Gleichgewicht bringen, „da sie dies von ihren eigenen Vätern nicht kennengelernt und vorgelebt bekommen haben“, so Plaßwilm. Männer müssen lernen, diese Veränderung in ihr Leben zu integrieren und ein neues Rollenbild für sich zu finden.
Das gelingt nicht immer. Komplikationen in der Beziehung, auf der Arbeit oder mit der eigenen Vaterschaft führen nicht selten zur Überforderung. Viele Männer ziehen sich dann zurück und weichen aus. Daraus können Burnout, Depression, Einsamkeit und Gewaltausbrüche entstehen. Jemanden zum Reden haben Männer selten: „Freunde sind oft Mangelware. Das soziale Leben findet häufig über die Frau statt. Wenn es dann zu einer Trennung kommt, stehen viele Männer komplett allein da. Sie sind isoliert“, erklärt Norbert Plaßwilm.
Kein Thema ist tabu
Männer werden krank und brauchen Hilfe. Die finden sie oft erst nach langen Wartezeiten, und nicht immer stoßen sie auf Verständnis. Hier setzt die Männerberatung an: Sie unterstützt und überbrückt die Zeit bis zu einer Therapie. Kein Thema ist tabu. Ob Trauer, Angst, Beziehungskrisen, Gewalt, Sexualität oder die schmerzhafte Sehnsucht nach den Kindern nach einer Trennung, in der Beratung wird über alles gesprochen. In den Gesprächen helfen Norbert Plaßwilm und sein Kollege Eric Appelhans den Männern, Selbstfürsorge zu entwickeln.
In einer vertrauensvollen und entspannten Atmosphäre schaffen die Berater einen Resonanzraum, in dem Männer sich wohl, angenommen und ernst genommen fühlen. Jedem wird geglaubt, niemandem wird ein Stempel aufgedrückt. Vertrauen und Sicherheit sind die Grundlage für ein offenes Gespräch. Ein Gespräch von Mann zu Mann ohne Druck und Bewertung hilft oft weiter. Gemeinsam mit den Klienten entwickeln die Berater eine Strategie, mit Druck, Sorgen und Erwartungen umzugehen.
Der Wermutstropfen heißt Finanzierung
Trotz des großen Bedarfs gibt es einen Wermutstropfen. Das kostenlose Angebot gilt zurzeit nur für Väter sowie für Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre aus Arnsberg. Anfragen aus dem Kreis Soest oder aus dem übrigen Hochsauerlandkreis muss die Beratungsstelle regelmäßig abweisen, weil die Finanzierung fehlt.
„Wenn sich ein Mann auf die Suche macht und abgewiesen werden muss, gibt er irgendwann auf“, macht Plaßwilm deutlich. Sein Wunsch für die Zukunft der Männerberatung ist deswegen folgender: „Ich wünsche mir eine pauschale Finanzierung für alle Männer, die Hilfe suchen.“ Kosten, die durch toxische Männlichkeit auf die Kommunen, den Kreis oder das Land zukommen, lassen sich nicht beziffern. Sie ließen sich nach seiner Überzeugung senken, wenn alle Männer Zugang zur Männerberatung bekämen, unter anderem beim SkF Hochsauerland.
Wer noch nicht sicher ist, ob er eine Beratung annehmen soll, dem gibt Norbert Plaßwilm eine klare Botschaft mit: „Reden hilft. Ich habe viele Männer, die noch nie mit jemandem über ihre Probleme gesprochen haben. Traut euch zur Männerberatung zu kommen. Wir haben ein offenes Ohr und sind für euch da. Von Mann zu Mann lässt es sich oft einfacher reden. Manchmal wird einfach alles zu viel: Druck, Sorgen, Erwartungen und niemand versteht es? Wir sind für die Männer da! Viele Jungen und Männer erleben ähnliche Herausforderungen. Sie kämpfen mit Erwartungen, für alles eine Lösung zu produzieren, und dem Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Sprechen Sie mit uns! Wir hören zu. Ohne Bewertung, ohne Druck. Wir nehmen ernst, was die Männer beschäftigt, und versuchen, sie zu verstehen – auch wenn sie selbst vielleicht noch keine Worte dafür haben. Also meldet euch bei uns!“
Johanna Kraft
Männerberatung des SkF Hochsauerland
Breloh 5
59759 Arnsberg
Telefon 02932 9393111
eb.arnsberg(at)skf-hochsauerland.de www.skf-hochsauerland.de/hilfsangebote/beratung/maennerberatung
Kampagne des SKM-Bundesverbandes: www.echte-maenner-reden.de
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