Katholisches Leben in Meschede und Bestwig

Reduzierung auf das Wesentliche

Das Haus der Stille der Abtei Königsmünster wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Der Architekt Peter Kulka baute es als Kloster im Kloster, zur Stadt hin abgegrenzt durch eine fensterlose Wand aus Sichtbeton. Vielen Gästen erschließt es sich erst im Wohnen.

Zur Stadttreppe hin grenzt eine fensterlose Wand aus Sichtbeton das Haus der Stille ab. Im Inneren der Wand liegt das Treppenhaus. (Foto: Königsmünster)

Wenn jemand seinen 25. Geburtstag feiert, liegt die Volljährigkeit schon einige Jahre zurück. Die Ausbildung oder das Studium nähert sich dem Ende, die ersten Schritte im Beruf sind getan, der Mensch beginnt auf eigenen Füßen zu stehen.

Unser Haus der Stille ist „erwachsen“ geworden. Eingeweiht wurde es 2001 als Erweiterungsbau der OASE, in der vor allem Jugendliche ihren Ort gefunden hatten. Seither hat es sich zu einem eigenständigen Teil im Gesamtensemble der Abtei Königsmünster entwickelt.

Ende der 1990er Jahre war das ein ehrgeiziges Projekt. Abt Stephan Schröer und die damalige Gemeinschaft sahen die Notwendigkeit, neben der OASE ein Haus zu schaffen, in das Erwachsene sich zurückziehen und über das eigene Leben und den eigenen Glauben nachsinnen konnten. Zur Seite stand ihnen der Architekt Professor Peter Kulka (1937 bis 2024). Er hatte schon beim Bau der OASE im Team von Hans Schilling mitgewirkt und 1986 den Klosterneubau errichtet.

Ein Kloster im Kloster

Peter Kulka wollte mit dem Haus der Stille ein Kloster im Kloster errichten. Das Haus sollte auf der einen Seite gut abgegrenzt sein zu den übrigen Klostergebäuden und zur Welt draußen, auf der anderen Seite Verbindungen in diese Welt schaffen. Sammlung und Sendung: Die Architektur veranschaulicht beide Seiten christlichen Lebens.

Zur Stadttreppe hin grenzt eine begehbare, fensterlose Wand aus Sichtbeton das Haus ab. Sie bildet die klassische Klausurmauer nach. Im Inneren dieser Wand liegt das Treppenhaus, erhellt durch ein Glasdach am oberen Ende der Treppe. Peter Kulka schrieb dazu: „Der Weg in die Stille führt zunächst in die Enge, aber auch wie eine Jakobsleiter dem Licht entgegen.“

Über einen gläsernen Steg führt der Weg vom Treppenhaus, dem „Wege-Haus“, in das „Lebe-Haus“. Dort liegen die 20 Einzelzimmer, alle ausgestattet mit Dusche und WC. Zum Apfelhof hin öffnet sich eine Glasfassade, durch die man von den Zimmern und von den Gemeinschaftsräumen, dem Speisesaal und der Halle, einen weiten Blick in die Welt genießt. Sie steht für die Verbindung zur Welt und zu den Menschen.

Erst wenn ich mir meiner Quellen bewusst bin, kann ich mich den Menschen öffnen und in die Welt hineinwirken.

Was die Gäste berichten

Bis heute berichten uns Gäste immer wieder, dass sich ihnen das Haus der Stille erst im Wohnen erschließt. Zuerst schreckt sie der schmucklose Sichtbeton ab. Im Lauf ihres Aufenthalts merken dann viele, wie diese Reduzierung auf das Wesentliche guttut und Kräfte sammeln lässt für das Wirken in der Welt. Die klare äußere Struktur des Hauses hilft, wieder in einen inneren Lebensrhythmus zu finden.

In den vergangenen 25 Jahren haben viele Menschen dieses Angebot dankbar angenommen. Etliche kehren immer wieder in „ihr Haus“ zurück, um hier für ihren Alltag aufzutanken. Das Haus der Stille fügt sich gut ein in das Gesamtbild der Abtei und führt Menschen zu ihren Quellen zurück, damit sie ihren Teil beitragen können zum Aufbau der Gesellschaft.

Pater Maurus Runge OSB

Drei Fragen an Altabt Stephan Schröer

Altabt Stephan Schröer OSB hat das Haus der Stille angestoßen. Er war damals Abt der Benediktinerabtei Königsmünster.

Was war die Grundidee, das Projekt „Haus der Stille“ in Angriff zu nehmen und zu realisieren?

Stephan Schröer: Das Haus der Stille war kein fertiges Projekt. Eher eine Suche. Die wachsende Gemeinschaft, die Ideen unserer jungen Brüder, neue Aufbrüche geistlicher Gemeinschaften in den Kirchen, die Erwartungen der Freunde der Abtei, gemeinsame geistliche Erfahrungen zu versuchen.

Was ist Deine prägendste Erinnerung an die Zeit von Planung und Bau des Hauses der Stille?

Dass die Bauleute, der Architekt Peter Kulka und sein Team und die Mönche wirklich gemeinsam bauten. Vieles war am Anfang noch wenig konkret. Vieles brauchte immer wieder neues Abwägen und Überlegen. Vieles nahm erst mit der Zeit Gestalt an. Nur im Miteinander aller konnte dieser eigenwillige Bau, der ja bis heute zu mancher Kritik und mancher Begeisterung herausgefordert hat, entstehen. Gut war es auch zu beobachten, wie durch die gemeinsame Arbeit dauerhafte Freundschaften entstanden, bis heute.

Wie leistet das Haus der Stille einen Beitrag zum „Gemeinsamsein“?

Als Ältester unserer benediktinischen Gemeinschaft möchte ich die Frage weitergeben an unsere jungen Brüder und unsere Gäste, wohin der Weg des Hauses der Stille gehen könnte, wo es gemeinsame neue Herausforderungen gibt. Es wurde gebaut, um offen für Veränderungen zu sein, offen für immer neue Erfahrungen. Und damit ist es auch ein Weg, uns selbst immer wieder infrage zu stellen. Ein Ort zum Lernen.

Das Haus der Stille bietet sich in seiner minimalistischen Architektur an, es immer neu und ganz anders mit Leben zu füllen. Gemeinsam: unsere Gäste und wir, die Mönche. In diesem Sinne ist es mein Wunsch, dass das Haus der Stille nie fertig wird.

Peter Kulka hat es uns damals vor 25 Jahren am Tag der Einweihung so gesagt: „Ob die hoch gesteckten Ziele an das Haus der Stille tatsächlich erreicht werden, lässt sich heute mit Gewissheit nicht sagen. Architektur ist nur Rahmen, dritte Haut, Hülle. Nun müssen die Menschen – mit Gottes Hilfe – dieses Haus lebendig werden lassen. Erst dann wird man wissen, ob es ein gutes Haus ist.“

Das gilt auch heute nach 25 Jahren und für die Zukunft. Nie fertig? Offen für Überraschungen?

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