Finja arbeitet in Dublin, Lucy näht in Lissabon für die Fashion Week, Greta war auf Teneriffa. Alle drei kommen vom Berufskolleg Bergkloster Bestwig, alle mit Erasmus+.

Rund 100 Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Bergkloster Bestwig reisten Anfang Mai an einem einzigen Wochenende in ihre Praktika ab. Neun Länder standen auf der Liste: Spanien, Griechenland, Italien, Malta, Portugal, Irland, die Schweiz, Dänemark und England. Wo die jungen Leute arbeiten, hängt vom Bildungsgang ab. Die einen gehen in Kindergärten, Krippen oder Jugendzentren, andere in Pflegeeinrichtungen oder Tierarztpraxen, die Gestaltungs-Assistenten zu Fotografen und Floristen. An die Kunstakademie in Florenz gingen 13 Teilnehmer.
Diese Praktika gehören zur Ausbildung. Wer das Berufliche Gymnasium in Stufe 11 besucht, bleibt drei Wochen im Ausland, Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule und der praxisintegrierten Erzieherausbildung vier. Seit dem Ende der Corona-Zeit haben rund 800 Lernende des Berufskollegs ein Erasmus-Praktikum gemacht, im gesamten Verbund der SMMP-Schulen mehr als 1.600.
Ein Büro für alle SMMP-Schulen
Organisiert wird das alles vom Erasmus-Büro im Berufskolleg Bergkloster Bestwig. Susanne Gieß leitet es, mit ihr arbeiten Birgit Bagaric, Christiane Korte und Stefanie Nübold. Das Büro betreut nicht nur die eigene Schule, sondern alle Schulen des SMMP-Verbunds. Seit 2008 ermöglicht das Berufskolleg Auslandspraktika. Aufgebaut hat das Programm Irmhild Padberg, die es über Jahre leitete. Im Januar 2025 erhielt sie die Europamedaille der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Allein 2024 organisierte das Büro 453 Praktikumsaufenthalte, 275 davon für Schülerinnen und Schüler aus Bestwig.
Wie gut diese Arbeit läuft, hat 2025 die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn geprüft. Sie vergibt die Erasmus-Akkreditierung und kontrolliert die Arbeit jedes Jahr. Das Ergebnis für den Bestwiger Verbund: 50 von 50 Punkten. „Das Management der Akkreditierung verläuft sehr gut“, heißt es im Prüfbericht. Die Prüfer lobten die breite Auswahl an Praktikumsorten und die Art, wie die Erfahrungen in den Unterricht zurückfließen. „Das Ergebnis ist ein starkes Signal für unsere internationale Ausrichtung“, sagt Susanne Gieß. Auslandserfahrungen seien kein Luxus, sondern ein Bildungsbaustein.
Was Erasmus+ bezahlt
Erasmus+ ist das Bildungsprogramm der Europäischen Union. Es zahlt einen Zuschuss zu den Aufenthaltskosten und eine Reisekostenpauschale. Je nach Gastland deckt das nicht alle Kosten. Unterkunft und Reise buchen die Teilnehmenden selbst, das Erasmus-Büro hilft bei Bedarf, sucht aufnehmende Einrichtungen im Wunschland und schließt die Auslandsversicherungen ab. Niemand soll allein reisen. Deshalb fahren in der Regel mindestens zwei Schülerinnen und Schüler gemeinsam. Am Ende bestätigt der „Europass Mobilität“ das Praktikum, ein europaweit anerkanntes Dokument für spätere Bewerbungen.
Möglich sind alle 27 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Nordmazedonien, Norwegen, Serbien und die Türkei. In begründeten Ausnahmefällen kommen auch andere Länder infrage. Wer mitfahren will, braucht Grundkenntnisse in Englisch und wenig Fehlzeiten. Die Förderung dauert höchstens zwölf Monate, und sie gilt auch noch nach dem Abschluss.
Sechs Monate Stockholm, ein Jahr Florenz
Genau das nutzen viele Absolventinnen und Absolventen. Im Februar befanden sich 31 junge Menschen aus dem SMMP-Verbund in Langzeitpraktika von mehr als drei Monaten, sechs davon vom Berufskolleg in Bestwig. Paula Pischeli aus Meschede lebte im Februar schon seit sechs Monaten in Stockholm und arbeitete dort in einer internationalen Vorschule. „Ich habe gelernt, meinen Alltag zu organisieren und Herausforderungen alleine zu bewältigen“, sagt die 19-Jährige. Finja Fischer aus Reiste ging in einen Montessori-Kindergarten in Dublin und sagt, ohne die finanzielle Förderung wäre der Aufenthalt für sie nicht möglich gewesen.
Lucy Sammet aus Brilon fand beide Praktikumsstellen selbst, über soziale Medien und Initiativbewerbungen. Ein Jahr verbrachte sie in Florenz, an einer Kunstakademie und in einem Schneideratelier. Danach arbeitete sie drei Monate im Studio des Lissaboner Designers Valentim Quaresma, wo der Rock für die Fashion Week entstand. Jetzt bewirbt sie sich für ein Modedesign-Studium.
Greta Smykalla aus Neheim ging nach ihrer Erzieherausbildung für ein halbes Jahr an eine deutsche Schule in Puerto de la Cruz auf Teneriffa. Dreimal ist sie mit Erasmus+ gereist. Ihr Rat an alle, die noch überlegen: „Reist so viel ihr könnt und solange ihr könnt! Eine Zeit, die euch niemand nehmen kann.“
Andreas Beer
Wie finden Sie diesen Beitrag?